Aktuelles:
Aktionsbündnis Norden übergibt dem Hospiz in Hage Mittel aus seinem Klagefonds
Norden, 11. Dezember 2024
Das Aktionsbündnis Krankenhaus Norden hat die nicht ausgegebenen Mittel aus dem Klagefonds dem Hospiz am Meer in Hage überwiesen. Das hatte das Bündnis auf seiner ersten Versammlung im vergangenen Jahr so beschlossen. Wie berichtet, hatten die Bürgerinnen und Bürger aus dem Norderland rund 13.200 Euro zur Finanzierung der Klagen bis vor das Bundesverfassungsgericht gegen die Schließung des Norder Krankenhauses aufgebracht. Nach Abzug der Ausgaben für Anwälte, Gerichte und Bankgebühren verblieben rund 1647 Euro, die von den Beauftragten des Aktionsbündnisses Ines Göbel, Marlene Peplinski und Martina Tepass-Korn den Hospizvertretern Christina Bitiq und Dr. Martin Stoetzel gutgebracht wurden.
Die Bündnisbeauftragten unterstrichen, dass das Hospiz am Meer vorbildlich dafür sei, dass sich das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern lohne, auch wenn manchmal dafür ein langer Atem benötigt werde. Für die Bündnismitglieder sei von Anfang an klar gewesen, die nicht benötigten Mittel dem Hospiz zu geben. Die Hospizvertreter bedanken sich zusammen mit den Bündnisbeauftragen herzlich bei den vielen Zuwenderinnen und Zuwender für ihr finanzielles Engagement. Da das Hospiz sich zu 5 Prozent über Spenden finanziert, sei das Geld gut angelegt.
Das Aktionsbündnis Krankenhaus Norden hat sich jüngst aufgelöst, da alle von den Bündnisversammlungen beschlossenen Maßnahmen umgesetzt worden seien. Das Krankenhaus Norden gebe es noch, allerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten und ohne Notfallaufnahme. Der Träger machen inzwischen sogar Reklame mit dem Krankenhaus. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses werden auf unterschiedlichen Wegen weiter daran arbeiten, dass die Öffnungszeiten und die Leistungen des Norder Krankenhauses verbessert werden. Wenn zum Beispiel die parallelen Strukturen Regionales Gesundheitszentrum, StatAMed und Medizinisches Versorgungszentrum aufeinander abgestimmt würden, müsste es aufgrund des vorhandenen Personals und mit gutem Willen sogar möglich sein, das Krankenhaus rund um die Uhr geöffnet zu halten.
Foto, von links nach rechts: Marlene Peplinski, Martina Tepass-Korn, Dr. Martin Stoetzel, Christina Bitiq, Ines Göbel
Das Foto hat Walter Zuber aufgenommen. Ein Copyright wird von ihm nicht in Anspruch genommen.
26. Mai 2024:
Stand unserer Petition
Die Landtagsverwaltung hat heute, am 26. Mai 2024 mitgeteilt, dass unsere Petition nächste Woche im nicht öffentlich tagenden Petitionsausschuss auf der Tagesordnung steht.
29. Februar 2024, Übergabe vor Ort:
www.aktionsbuendnis-norden.de
Aurich, 29.2.2024
Die Notfallversorgung im Landkreis Aurich ist zum Notfall gemacht geworden, der schnell geheilt werden kann!
Wir sind heute hier, weil wir die hinter verschlossenen Türen tagenden Entscheidungsträger darauf aufmerksam machen wollen, dass durch die Schließung der Notfallversorgung im Krankenhaus Norden die gesamte Notfallversorgung der Menschen im Landkreis Aurich gefährdet wird.
Die Schließung der Notfallversorgung in Norden bewirkt nicht nur die Schlechterstellung der Menschen im Einzugsbereich der Stadt Norden. Auch die Menschen in und um Aurich sind zunehmend negativ betroffen, da das Auricher Krankenhaus inzwischen völlig überlastet ist und viele Patienten nicht mehr so versorgen kann, wie das erforderlich ist. Ein ärztlicher Whistleblower im Auricher Krankenhaus hat das jüngst an die Öffentlichkeit gebracht.
Die häufige Abmeldung der stationären Aufnahme vom Notfallportal IVENA*), die vielen Überlastungsanzeigen der Mitarbeitenden und die rechtswidrig hohe Zahl der ärztlichen Überstunden belegen dessen Bericht. Für die Patienten bedeutet dies oft eine unzumutbare Lagerung auf den Fluren, ein grenzwertig langes Warten auf Behandlung und unter Umständen lebensgefährliche Transporte in weit entfernte Kliniken, was viele Patienten leidvoll erfahren.
Um unnötiges Leid der Bevölkerung oder gar Fälle mit Todesfolge zu vermeiden, ist schnellstens die Notfallaufnahme in Norden nach den Vorschriften des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Basisnotfallversorgung wiederherzustellen. Das hilft allen im Landkreis, im Übrigen auch den Menschen in Emden, die die Überlastung ihres Krankenhauses ebenfalls zu spüren bekommen.
Wir fordern Landrat Meinen und den Kreistag auf - insbesondere die Fraktionen von CDU und SPD um Sven Behrens, Hilko Gerdes, Johannes Kleen und Wiard Siebels, die wesentlich die Schließung der Notfallversorgung in Norden politisch zu verantworten haben - dafür zu sorgen, eine medizinisch, technisch und personell gut aufgestellte Notfallversorgung für alle Menschen im Landkreis Aurich bis zur Inbetriebnahme der Zentralklinik in Uthwerdum zu sichern. Die Erfahrung zeigt, dass dafür mindestens eine Basis-Notfallaufnahme gemäß G-BA in Norden benötigt wird.
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*) IVENA ist das überregionale Notfallportal. Dort bringen Rettungsdienste in Erfahrung, welche Kliniken für Notfall-Patienten aufnahmebereit sind. Die Ostfriesen-Zeitung macht seit längerer Zeit bereits vor der Schließung der Norder Notfallaufnahme Stichproben im Ivena-Portal und stellt fest, dass es fast täglich Situationen gibt, dass alle oder fast alle ostfriesischen Intensivstationen gleichzeitig für die stationäre Versorgung abgemeldet sind. In einer derartigen Lage schließt der Landkreis die Norder Notfallaufnahme.
Die Auricher Notaufnahme...ein Arzt gibt tiefe Einblicke...
Direkte Kontakte der Mitarbeiter zur Presse sind von der Trägergesellschaft nicht erlaubt worden. Allerdings erfährt die Öffentlichkeit auch nichts von deren Pressestelle, denn konkrete Antworten sind Mangelware.
Der hier zitierte Arzt kann die Situation in Aurich beurteilen, denn er hat Einblicke in Rettungsdienst und Notaufnahme. Es herrscht dort Chaos, weil es viel zu viele Anfahrten von Rettungsdiensten gibt. Nach der Schließung der Norder Klinik sei die Situation explodiert. Ärzte kommen an ihre Grenzen. Rettungswagen blockieren sich in der Einfahrt gegenseitig. Patienten müssen auf Tragen in Fluren behandelt werden.
Durch Ärztemangel (vor allem in Norden) bedingt, strömen bis zu 120 Patienten pro Tag in die Auricher Notaufnahme, die dafür nicht ausgelegt sei. Patientenleben werden so gefährdet. Patienten sterben in den RTWs auf den Wegen zwischen den Städten Norden, Emden und Aurich.
Die Klinikleitung macht Druck, dass nur noch "ertragsstarke Diagnosen" aufgenommen werden. Das heißt, wer kein Geld bringt, soll woanders behandelt werden. Grunduntersuchungen finden oft nicht mehr statt. So kommt es zu Fehldiagnosen bzw zu keiner Diagnose mehr und schwere Erkrankungen werden oft nicht erkannt.
Durch Druck von oben entstehen Kämpfe zwischen der Intensivstation und der Notaufnahme, weil die Intensivstation Patienten ablehnt. Diese können aber nicht adäquat in der Notaufnahme behandelt werden. Die Ärzte werden darüber krank (Burnout).
Die Aussage der Trägergesellschaft, dass die Auricher Klinik genügend Kapazitäten habe, auch die Norder Patienten zu behandeln, kann der Arzt nicht bestätigen. Schon die Fahrtzeiten und damit auch die Blockade von Kapazitäten (RTWs) sind ein riesiges Problem. So kann es zu Reanimationen ohne RTW kommen. Transporte des Patienten sind dann auch nicht möglich.
In Aurich gibt es jeden Tage sogenannte Triagen, das heißt, dass der Gesündeste die Intensivstation verlassen muss, obwohl das eigentlich noch gar nicht möglich ist. Viele Fälle, die früher intensivmedizinisch versorgt wurden, liegen jetzt auf der Normalstation.
Die Schließung des Norder Krankenhauses sieht dieser Arzt sehr kritisch. Was dort geschehen ist, das gehe so gar nicht. Norden sei eine Stadt kein Dorf und brauche eine entsprechende medizinische Versorgung.
Die Situation werde sich weiter verschärfen, weil mit Blick auf die Zentral-Klinik kein Geld mehr für die Bestandskrankenhäuser in die Hand genommen werde, um neue Kapazitäten zu schaffen. Viele Patienten trauen dem Auricher Krankenhaus nicht und vermeiden es, dorthin zu fahren, wegen der mangelnden Qualität. Zitat: "Wenn man die Ressourcen gleich hält, aber das Patientenaufkommen erhöht, geht das nur, wenn man die Qualität senkt."
Vieles bekommt die Öffentlichkeit nicht mit. Patienten sterben, weil sich niemand zeitnah um sie kümmert. Aber die ersten 24 Stunden sind eben extrem wichtig. Und wenn das nicht funktioniert, sterben Menschen, die bei richtiger Behandlung, hätten gerettet werden können.
Der Arzt nennt es "den puren Horror!"
Auch die Zentralklinik wird an der Situation wenig ändern, denn dort sind noch weniger Betten geplant, als jetzt in Norden, Aurich und Emden vorhanden sind. Das wird die Situation noch verschärfen.
Zusammenfassung: Ostfriesische Nachrichten, 25.01.2024, MP